Seit ich am Südfriedhof praktiziere, verbringe ich meine Mittagspausen gerne in den Parks der Umgebung. Neben dem Schützenpark besuche ich besonders gerne den Südfriedhof, der um die letzte Jahrhundertwende als Park angelegt wurde. Die schönen alten Grabstätten mit anmutigen Skulpturen, die klangvollen Namen der Kieler Persönlichkeiten, die uralten Bäume und der Wechsel der Jahreszeiten bieten immer wieder neue Erlebnisse und Anregungen für Geist und Sinne. Auch die Natur findet hier mitten in der Stadt einen Rückzugsraum für Kaninchen, Eichhörnchen, Vögel und die Bienenkästen der lokalen Imkerei Honigmeer.
Wie bereits in einem früheren Blogartikel beschrieben, bin ich bei meinem Besuchen auf das Grab der Familie Lüdemann gestoßen. Carl Peter Matthias LÜDEMANN (1805-1889) war ein Kieler Theologieprofessor, Pastor an der Heiliggeistkirche, Prediger der Garnisonskirche (Paulus-Kirche) und Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (1853-1855). Mit seiner aus Tondern stammenden Frau, Elisabeth Ernestine Broekel (1809-1873), hatte er acht Kinder. Eine Tochter (Bertha 1840-1914) wurde Lehrerin an der Mädchenschule ihrer Tante in Kiel und veröffentlichte mehrere Gedichtbände. Auch Sie wurde im Familiengrab beigesetzt. Zwei Söhne wurden wie der Vater Pastoren, der eine, Hermann Lüdemann (1842–1933), war als Theologieprofessor in der Schweiz tätig.

Die Beschäftigung mit Lüdemann und seiner Familie ist inzwischen ein kleines Hobby geworden: Meine Recherchen führten mich in das Kieler Stadtarchiv, das Kirchenarchiv und in die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, ich durchforstete Bildarchive und kam in Kontakt mit historischen Vereinen, mit Ahnenforschern und sogar mit heutigen Nachfahren der weit verzweigten Familie.
Unterdessen musste ich jedoch feststellen, dass die Grabstelle auf dem Südfriedhof immer weiter verfiel, weil sich niemand darum kümmerte. Die vordere Inschriftplatte ging verloren, das schon lange abgebrochene Kreuz lagerte in einem Geräteschuppen der Friedhofsverwaltung. Daher übernahm ich 2024 die Patenschaft für das Grab und erarbeitete mit einer Kunsthistorikerin und einem Steinmetz ein Restaurierungskonzept. Ich beantragte Mittel beim Denkmalamt und hoffte, die Grabstelle wieder herstellen lassen zu können. Leider erhielt ich 2026 aus Gründen knapper Kassen einen ablehnenden Bescheid.

Es erscheint aus der Zeit gefallen und vielleicht auch etwas merkwürdig, sich in diesen Zeiten um etwas so abseitiges wie ein verfallendes Grab kümmern zu wollen. Ich finde aber, dass gerade im Betrachten der Vergangenheit und im Bewahren der Erinnerung an die Menschen, die uns vorangegangen sind, etwas ungemein Tröstliches und Sinnstiftendes liegt. Daher möchte ich mit meinem Spendenaufruf, ein Crowdfunding aus vielen kleinen Einzelspenden, die Erhaltung der Grabstelle der Familie Lüdemann sicher stellen. Ich freue mich über große und kleine Beiträge und bitte darum, meine Kampagne mit Familie und Freunden zu teilen.

